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Lorcher Weinberge wurden mit allen Sinnen erkundet

Nassauischer Verein für Naturkunde machte botanische Weinbergsführung mit Weinprobe am 11.08.2001

von
Dr. Wolfgang Ehmke

Nachdem der Nassauische Verein für Naturkunde vor zwei Jahren bei seinem 170-jährigen Jubiläum die Mittelrheinlandschaft vom Schiff aus genossen hatte, wollte er jetzt einmal die Steillagen-Weinberge in Lorch zu Fuss unter die Lupe nehmen. So trafen sich denn am letzten Samstag 25 Interessierte am Lorcher Bahnhof. Nach der Bahnfahrt von Wiesbaden wurden sie dort vom Leiter des Weingutes Graf von Kanitz, Ralf Bengel, begrüsst.
Bei einer Wanderung durch die Lagen Kapellenberg und Schlossberg erklärte er die Besonderheiten des Lorcher Weinbaues. So waren die Teilnehmer/innen erstaunt zu hören, dass grosse Teile der weinbaufähigen Flächen heute brach liegen, weil insbesondere den Nebenerwerbswinzern die Erträge der Steillagen nicht ausreichen. Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Dr. Wolfgang Ehmke, führte in die Landschaft und speziell in die Botanik der Lorcher Weinberge ein. Er wies darauf hin, dass diese in sich eine abwechslungsreiche Naturausstattung mit kulturellen Leistungen unserer Vorfahren vereinigen. Deswegen wird jetzt zu Recht die Aufnahme des Mittelrheintales in das UNESCO-Weltkulturerbe angestrebt.

Bereits bei der Wanderung hatten die sehr motivierten Teilnehmer/innen Gelegenheit, einige Kostproben aus den jeweils durchlaufenen Lagen zu sich zu nehmen. Dann wurde der Terrassenweinberg erreicht, den das Weingut vor vier Jahren bei der Rebflurbereinigung übernommen und angelegt hatte - unter Belassung der alten Steinmauern und mit einer traditionellen Art der Bewirtschaftung ohne chemischen Pflanzenschutz und ohne Seilzug und Bodenbearbeitung. Frau Daniela Lober vom Flurbereinigungsamt Darmstadt - Aussenstelle Eltville - stellte die mit diesem Reservat verfolgte Zielsetzung dar. Es soll nicht nur die althergebrachte Weinbergkultur der Bevölkerung nahe bringen, sondern auch der stark bedrohten Weinbergsflora und der davon abhängigen Tierwelt wieder eine Überlebenschance geben. Wolfgang Ehmke hat diese Fläche in das Ackerwildkraut-Schutzprogramm des Rheingau-Taunus-Kreises übernommen und führt regelmässige botanische Aufnahmen durch. Dabei wurden neben anderen typischen Rebflur-Wildkräutern bereits zwei gefährdete Arten der Roten Liste festgestellt: die Edle Schafgarbe und der Runde Lauch. Mit dem Auftreten weiterer seltener Arten ist zu rechnen. Wichtig erschien den Teilnehmer/innen, dass von Stadt, Winzern und Landschaftspflegeverband jetzt rasch ein Konzept für die Pflege der Brachflächen erstellt und umgesetzt werden muss, um einer weiteren Verbuschung potentieller Rebflächen vorzubeugen.
Danach ging es ins Weingut Graf von Kanitz zu einer Weinprobe mit Vesper. Die Ökoweine fanden grossen Anklang, und es wurde nochmals die Bereitschaft des Weingutes gelobt, das besichtigte Weinbergsflora-Reservat anzulegen und zu bewirtschaften. Damit wird ein beträchtlicher Beitrag zur Versöhnung von Mensch und Natur geleistet.

 

 

Inhalt: die genannten Autoren/innen
Layout: © F. Geller-Grimm